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Technik des Hochsprungs

Der Hochsprung bildet zusammen mit dem Weit-, Drei- und Stabhochsprung den leichtathletischen Disziplinblock „Sprung“. Seine Herausforderung besteht darin mithilfe eines rhythmisierten Anlaufs und eines reaktiven Absprungs mit dem Körperschwerpunkt eine größtmögliche Höhe zu überqueren. Hierfür benötigen die Athleten neben reaktiver Sprungkraft und Schnelligkeit auch ein besonderes Maß an Koordination, um die Rotationen um alle drei Körperachsen (sagittal, longitudinal und transversal) rechtzeitig einleiten und zielgerichtet ausführen zu können. Dabei entwickelten sich im Laufe der Jahre immer neue Hochsprungtechniken (z.B. Scher- und Wälsprung/Straddle), ehe der amerikanische Hochspringer Richard "Dick" Fosbury bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko City mit einer revolutionären Technik Gold gewann und damit die Hochsprungszene nachhaltig veränderte. Die Rede ist vom sogenannten „Fosbury-Flop“ oder kurz „Flop“, dessen technische Merkmale in der Folge beschrieben werden.

Die Phasenstruktur des Hochsprungs gliedert sich in die folgenden vier Abschnitte (s. Grafik):

  1. Anlauf (Impulskurve) (Bild 1-3)
  2. Absprung (Bild 4-8)
  3. Flugphase (Lattenüberquerung) (Bild 9-11)
  4. Landung (Bild 12)

Schematische Darstellung der vier Hauptphasen beim Hochsprung modifiziert nach Jonath et al. (Leichtathletik 2 - Springen, 1995): 1.) Anlauf (hellgrün, Bild 1-3), 2.) Absprung (dunkelgrün) mit den Schlüsselpositionen der Schwungbeinhocke (Bild 4) und Ganzkörperstreckung (Bild 9), 3.) Flugphase (hellblau) mit der Brückenhaltung (Bild 11) sowie 4.) Landung (dunkelblau, Bild 12).

Der Anlauf dient dem Athleten zur horizontalen Beschleunigung und optimalen Absprungvorbereitung. Er umfasst in der Regel sieben bis zwölf Schritte, wobei zunächst geradlinig (4-7 Schritte) und anschließend bogenförmig (3-5 Schritte) in „J-Form“ angelaufen wird. Die ersten Schritte (Bild 1) werden häufig mit Körpervorlage und betontem Kniehub auf dem Fußballen ausgeführt, um bis zur Einleitung der Impulskurve eine optimale und keine maximale Geschwindigkeit zu erreichen. Nun lehnt sich der Athlet mit aufrechtem Oberkörper in die Kurve (Bild 3). Durch diese Kurveninnenlage senkt er seinen Körperschwerpunkt (KSP) ab und bereitet sich damit bereits auf den Absprung vor (Bild 3). Die Schrittfrequenz steigt und im vorletzten Bodenkontakt erreicht der Athlet mithilfe der sogenannten „Schwungbeinhocke“ aufgrund eines ganzsohligen Fußaufsatzes und unvollständiger Kniestreckung die niedrigste KSP-Position (Bild 4). Diese spielt beim Hochsprung eine besonders wichtige Rolle, da sie den Beginn der Absprungbewegung darstellt. Ab hier wird der KSP nach oben beschleunigt und die Rotationsimpulse um die Körperachsen eingeleitet. Deshalb sollten Trainer darauf achten, dass der Unterschenkel des Stütz-/Schwungbeins im Moment des ganzsohligen Bodenkontakts senkrecht steht, beide Oberschenkel annähernd parallel sind und der Oberkörper ihrer Athleten eine entsprechende Kurveninnenlage aufweist (Bild 4). Dieser in der Regel etwas längere vorletzte Bodenkontakt führt dazu, dass das Schwungbein im Übergang zum Absprung hinten gehalten und eine hochsprungtypische Rhythmisierung erreicht werden kann. Dies trägt dazu bei, dass die Schwungelemente hinter dem Körper fixiert werden, damit sie die Aufrichtung und Streckung im Absprung durch ihr Vor-Hochschwingen optimal unterstützen können. Im Übergang zwischen dem vorletzten und letzten Stütz beschleunigt der Athlet seine Hüfte mithilfe eines betonten Abdrucks vom Stütz-/Schwungbein aktiv nach vorne, um eine optimale Absprungposition zu erreichen (Bild 5).

Im Absprung muss der Springer innerhalb von 140-180 ms die im Anlauf erzeugte Horizontalgeschwindigkeit in eine vertikale umsetzen und die Rotationen um die Körperachsen für die Lattenüberquerung einleiten. Hierfür ist eine stabile gestreckte Oberkörperposition mit leichter Rück- und Innenlage (lattennahe Schulter ist höher als lattenferne) sowie ein aktiv schlagender Fußaufsatz sinnvoll, der mit zum Teil starker initialer Supination über die Ferse eingeleitet wird (Bild 6). Der Absprungfuß zeigt dabei mit ca. 60-90 cm Abstand zur Matte Richtung Landestelle und Schulter- und Hüftachse stehen parallel zueinander. In der Amortisationsphase kommt es in der Regel zu einer leichten Flexion im Sprung-, Knie- und Hüftgelenk und der Athlet richtet sich passiv aus der Kurveninnenlage auf (Rotation um die Sagittalachse) (Bild 7). Wenn das vorschwingende Schwungbein das Sprungbeinknie erreicht hat, ist die Amortisation beendet und die Ganzkörperstreckung zur Erzeugung des Vertikalimpulses wird eingeleitet. Nun wird das Schwungbein aktiv nach oben und von der Latte weg nach innen geführt, sodass die Rotation um die Longitudinalachse eingeleitet wird (Bild 8). Die Bewegung des Schwungbeins wird durch drei verschiedene Varianten Schwungarmarbeit (Doppelarmschwung, Führarmtechnik oder Gegenarmschwung) unterstützt. In der oben dargestellten Bilderreihe wird ein Doppelarmschwung ausgeführt, bei dem beide Arme in den letzten Schritten nach hinten geführt werden, um sie dann während des Absprungs als zusätzliche Schwungelemente nach oben schwingen zu können. Zum Abschluss des Absprungs, der mit einer Plantarflexion und Außenrotation des Sprungfußes endet, bildet der Körper des Athleten eine Gerade und ist annähernd vertikal orientiert (Bild 8). Im Verlauf eines optimalen Absprungs beim Hochsprung werden zur Erzeugung einer maximalen Vertikalgeschwindigkeit bei optimalem Absprungwinkel (ca. 45-50°) drei entscheidende Elemente vereint, die die Sprungleistung unmittelbar beeinflussen: 1.) die passive Aufrichtung aus der Oberkörperrücklage und Kurveninnenlage, 2.) der aktive Streckvorgang und 3.) der Einsatz der Schwungelemente.

In der nun folgenden Flugphase behält der Athlet mit gestrecktem Sprungbein und Oberkörper seine Absprungposition bei, bis er in der Steigephase an Höhe gewinnt. Nähert er sich der Latte an, wird das Schwungbein abgesenkt, um dadurch die Hüfte nach oben zu drücken (Rotation um die Transversalachse) (Bild 9). Indem der Schwungarm Richtung Latte geführt und der Kopf in den Nacken genommen wird, erreicht der Athlet die für den Fosbury-Flop charakteristische Brückenhaltung (Bild 10). In dieser Position sind die Knie leicht gespreizt, damit eine bessere Bogenspannung und eine in der Folge optimale Lattenüberquerung erzielt werden kann (Bild 11).

Während der Landung fängt der Athlet seinen Körper sicher ab, indem er den Kopf auf die Brust nimmt, seine Hüfte beugt und seine Knie streckt (Bild 12). Dadurch erreicht er eine L-Position und landet zuerst mit den Schultern auf der Matte.

Tobias Alt

 
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