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Superkompensation

Die Grundlage sportlichen Trainings ist das Wissen um eine wie auch immer geartete positive Anpassung des menschlichen Körpers auf Belastungsreize. Um überhaupt eine Anpassung im Sinne einer Verbesserung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit erzielen zu können, muss ein trainingswirksamer Reiz gesetzt werden. Die sogenannte Reizstufenregel differenziert dabei zwischen vier Reizstärken: stark überschwellig, schwach überschwellig, schwach unterschwellig und stark unterschwellig. Die Schwierigkeit für Trainer liegt in den inter- (zwischen Athleten) und intraindividuellen (innerhalb eines Athleten) Unterschieden der Reizantwort. Dies bedeutet, dass ein und derselbe Stimulus (Reiz) aufgrund verschiedener anthropometrischer, physischer und sonstiger Voraussetzungen (z.B. Beweglichkeit, Maximalkraft, maximale Sauerstoffaufnahme, Ernährungsstatus usw.) bei dem einen Athleten einen schwach unterschwelligen und bei dem anderen einen stark überschwelligen Reiz darstellen kann. Noch komplexer wird es, wenn man bedenkt, dass je nach Vorbelastung/-ermüdung z.B. durch Muskelkater oder  vorangegangene Tempoläufe ein stark unterschwelliger Reiz am einen Tag für den gleichen Athleten am anderen Tag einen schwach überschwelligen Reiz darstellen kann. Aus diesem Grund ist das subjektive Empfinden des Athleten im Trainingsalltag sehr wichtig, denn mit zunehmender Trainingserfahrung sollte er mündig genug sein den für ihn optimalen Trainingsreiz mehr oder weniger selbstständig wählen zu können.

Der russische Sportwissenschaftler Matwejew entwickelte Anfang der 1960er Jahre das Superkompensationsmodell, das den zeitlichen Verlauf einer Anpassungsreaktion veranschaulicht (s. Grafik).

Veränderung der Leistungsfähigkeit einzelner biologischer Teilsysteme mit kurzer (dunkelgrün), mittlerer (hellgrün) und langer Regenerationszeit (orange) nach einem Belastungsreiz und Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit durch optimal gesetzte Trainingsreize (blau), modifiziert nach Weineck, J. (2009), Optimales Training.

Es setzt sich aus 7 Komponenten zusammen:

  1. Trainingsreiz als überschwellige Belastung und Störung der Homöostase (biologisches Gleichgewicht)
  2. Ermüdung und verringerte Leistungsfähigkeit (katabole Phase)
  3. Zustand der geringsten Leistungsfähigkeit
  4. Regeneration der einzelnen Teilsysteme (anabole Phase)
  5. Zustand der Ausgangssituation
  6. Superkompensation: Anpassung des Organismus und erhöhte Leistungsfähigkeit
  7. ausbleibende Reizsetzung führt zum Abfall der Leistungsfähigkeit auf das Ausganzsniveau

Limitationen dieses vereinfachten Modells sind die Komplexität des menschlichen Körpers mit seinen unterschiedlichen Regenerationszeiten sowie die Variabilität und Unberechenbarkeit der Reizantwort. Jedes biologische System, d.h. Muskeln, Sehnen, Bänder, sowie das kardio-vaskuläre (Herz und Blut) und pulmonale (Atmung) System und nicht zuletzt der Metabolismus reagiert auf einen Trainingsreiz in unterschiedlicher Weise und braucht dementsprechend eine andere Regenerationszeit (s. Grafik).

Trotz dieser Schwächen basiert das tägliche leichtathletische Training auf dem Wissen um eine wie auch immer geartete Superkompensation als Ausdruck einer erhöhten Leistungsfähigkeit. Das Modell verdeutlicht zudem die Notwendigkeit eines periodisierten Trainings, dem eine möglichst optimale Relation aus Belastung und Erholung zugrunde liegen sollte. Letztendlich ist jedoch jeder Athlet individuell verschieden, sodass das allgemeine Wissen um die Reizstufenregel und die Mechanismen der Superkompensation nur dann optimal eingesetzt werden können und zu einer langfristigen und nachhaltigen Leistungssteigerung (s. blaue Kurve in der Grafik) führen, wenn das Training so individuell wie möglich und nötig gestaltet wird.

Tobias Alt

 
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